Pressemitteilung zu den Ermittlungen in Wuppertal

Die AHS e.V. verurteilt entschieden das Vorgehen von Ermittlungsbehörden in Wuppertal Ende Juli, in deren Folge ein 83jähriger Verdächtiger zu Tode kam.
Der Rentner, der sich vielfältig ehrenamtlich engagiert hatte, wurde wegen des Verdachts auf Besitz kinderpornographischer Schriften durchsucht. Die Ermittlungen hätten bis zur Klärung des Sachverhalts in einem Hauptverfahren durch einen Richter unter Wahrung der Unschuldsvermutung durchgeführt werden müssen. Statt dessen wurden die Beschuldigungen gegenüber der Presse wie Tatsachenbehauptungen präsentiert, obwohl gerade bei diesem Delikt die Quote der Verurteilungen nach einem Verdacht auffallend niedrig ist.
Darüber hinaus wurde ein Verdacht auf Kindermorde behauptet, allein weil der Rentner Zeitungsartikel über vermisste Kinder aufbewahrt hatte. Mit dieser Begründung wurde sein Garten mit schwerem Gerät umgegraben und vollständig zerstört. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man einem hoch angesehenen Menschen, der sich u.a. in der Flüchtlingshilfe betätigte, möglichst umfassend schädigen wollte.
Kritische Anmerkungen dazu sind in der Presse – entweder freiwillig oder unter Druck der Behörden – unterblieben.

Im Einklang mit dem geltenden Recht fordert die AHS e.V. den Schutz von Verdächtigen vor Vorverurteilung und die Gewährung eines fairen Verfahrens. Beides war nach dem Vorgehen der Ermittlungsbehörden ausgeschlossen. Möglicherweise wäre es wegen der höchst unprofessionellen Agitation der StA Wuppertal nicht einmal zu einer Hauptverhandlung gekommen.

Eine Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Wuppertal informierte wenige Tage später über den Tod des Betroffenen. Fremdverschulden sei ausgeschlossen, hieß es. Diese Feststellung ist an Zynismus kaum noch zu überbieten.

Reaktion auf Presseberichte

Im Hinblick auf entsprechende Presseberichte erlaubt sich die AHS e. V. folgenden Hinweis:

Die AHS e. V. vertritt keine Position, wonach sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern legalisiert werden sollen. Auch in der Vergangenheit hat keine anderslautende Vereinsposition der AHS e. V. bestanden. Zudem existieren auch keine anderslautenden Veröffentlichungen, die vom Vorstand der AHS e. V. als Vereinsposition gebilligt worden sind.

Der Schwerpunkt der aktuellen Arbeit der AHS e. V. besteht im Betrieb des Hilfetelefons sowie in der Vermittlung qualifizierter therapeutischer Arbeit.

Die AHS e. V. bemängelt jedoch an der aktuellen Diskussion die Vermengung des Tabus sexueller Handlungen mit Kindern mit dem nun neu konstruierten Tabu des Vertretens entsprechend liberaler Meinungen, selbst wenn dies in anderem gesellschaftlichem Klima vor mehreren Jahrzehnten geschehen ist. Zum einen muss in einem liberalen Rechtsstaat jedem die Möglichkeit eingeräumt werden, sich bei Vertreten einer Auffassung in der Vergangenheit geirrt zu haben, ohne dass ihm dies dauerhaft nachgetragen wird; zum anderen ist aus Sicht der AHS e. V. die Meinungsfreiheit ein solch hohes Gut des Rechtsstaats, dass die Gesellschaft auch das Vertreten provokanter und für manche Menschen verletzender Auffassungen tolerieren muss, solange nicht Rechte anderer verletzt werden wie im Fall einer Verleumdung oder Volksverhetzung.

Pressemitteilung: Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität e. V. kritisiert Entscheidung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bezüglich § 173 StGB

Die Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität  e. V. kritisiert die Entscheidung der kleinen Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hinsichtlich der Strafbarkeit des Beischlafs zwischen Geschwistern gemäß § 173 StGB. Nach der am Donnerstag ergangenen Entscheidung soll ein Verstoß dieses Gesetzes gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, insbesondere gegen deren Artikel 8, nicht gegeben sein.

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Die AHS im Jahr 2011: Forschung und Therapie stärken!

In den ersten drei Monate des Jahres stand das Archiv im Mittelpunkt. Papiere, die seit der Gründung der AHS (1982) angehäuft worden waren, wurden nach „Vernichten oder Verschenken“ sortiert, und unabhängig von diesen beiden Kategorien wurde alles historisch Interessante, zeitgeschichtlich Typische, seelisch Ergreifende oder auch Lustige eingescannt, digitalisiert und thematisch geordnet – unter Vermeidung der Namen/Adressen von Privatpersonen! Das digitale Archiv steht den Vorstandsmitgliedern nun für Such-Anfragen zur Verfügung – Anfragen zunächst von Mitgliedern, später hoffentlich auch von externen Wissenschaftlern.

Wenn Sie selbst sich um den späteren Verbleib Ihrer Sammlung zum Thema sexuelle Selbstbestimmung/Emanzipation sorgen, melden Sie sich bitte! Die AHS selbst hat zwar nur begrenzt Platz und Zeit, wird aber das Problem „Umgang mit Geschichte“ weiter verfolgen. Vielleicht eignet sich Ihr Material auch für das Schwule Museum in Berlin (Dr. Jens Dobler).

Die Sortier-Arbeit war sehr lehrreich für die Selbst-Verortung der AHS. Ja, damals in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es Bewegungen, die auf die eine oder andere Weise mit der sexuellen Selbstbestimmung befasst waren. So fand um 1982 in Gestalt der AHS auch eine kleine Gruppe zueinander mit dem Gedanken, die sexuelle Selbstbestimmung „als solche“ zu thematisieren, wo immer sie gefährdet schien – ohne die Fixierung auf feministische, schwul/lesbische oder eheberaterische Belange.

Von den Papieren, die die AHS in den ersten Jahren erarbeitete und anbot, wurden vor allem die Texte zu Gewalt-Ursachen und Gewalt-Prävention stark nachgefragt – durch Parteien, Behörden, Institutionen, Beratungsstellen und Diplomarbeiten-VerfasserInnen (es gab ja noch kein Internet). Das Statement „gegen die Gewalt“ einte uns alle – doch die AHS konnte nicht immer dieses eine Thema bearbeiten – sie war keine Schulungsstätte für Sozialarbeiter(innen) oder schlagende Ehemänner! Deshalb wandten sich nach der ersten Begeisterung viele (vor allem weibliche) Mitglieder wieder vom Verein ab. Die AHS konnte aber nach diesem erfolgreichen Einstieg noch einige Jahre lang bei politischen und juristischen Körperschaften beratend mitwirken, wann immer es um die sexuelle Selbstbestimmung ging.

Dann stieß die Möglichkeit der beratende Mitwirkung an ihre Grenzen. Es fehlte in der Gesellschaft offenbar an Wissen über die psychosexuelle Entwicklung des Menschen. Wir brauchen eine unabhängige Sexualforschung und, wo nötig, eine Therapie, die auf Wissen basiert. Da bekam die AHS ein Problem, denn „Wissenschaft“ kann man nicht, wie frühere Aktivitäten des Vereins, einfach durch demokratische Mitsprache aller betreiben. Wissenschaft erfordert Experten – und vor allem Institutionen, die einen Experten beauftragen zu forschen. So kam es, dass die AHS sich einige Jahre recht ruhig und oft ratlos verhielt. Inzwischen ist der Verein jedoch in der glücklichen Lage, zumindest „im Kleinen“ Wissenschaft und Therapie zu unterstützen, auch finanziell. (Mehr darüber auf Anfrage oder bei der nächsten Mitgliederversammlung.)

Zu einem geplanten Expertengespräch haben zwei hochkarätige Wissenschaftler ihr Kommen zugesagt: Kurt Seikowski (Leipzig) und Bruce Rind (USA). Zwei Themenschwerpunkte sind bereits bekannt: Vorurteilsforschung und Pornographie/Internetsucht. Die Vorträge und anschließenden Gespräche versprechen spannend zu werden. Auch Sie sind herzlich eingeladen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die AHS nicht öffentlich einladen kann, weil der Verein „Hass-Mails“ bekommen hat. Interessierte Nichtmitglieder werden gebeten, sich voranzumelden, um dann gegebenenfalls Zeit und Ort zu erfragen. Mitglieder und Freunde erhalten automatisch eine schriftliche Einladung.

Marianne Bayer

Sylvia Tanner verstarb am 17. Oktober 2010

Nachruf

Die AHS-Mitglieder und der Vorstand der AHS trauern um Sylvia Tanner.

Sie war eine Freundin, die immer den Menschen in den Mittelpunkt stellte und dadurch Wärme und Geborgenheit vermittelte.

Auch in ihrer Arbeit stand stets der Mensch und die Hilfe für den Menschen im Vordergrund.

Sie war eine stete Mitstreiterin für sachliche Diskussion, gegen Vorurteile und mediale Vorverurteilung.

Unser Ziel hatten wir immer gemeinsam, auch wenn wir über den Weg nicht immer einig waren. Wir waren uns auch einig, daß es fast immer mehrere Wege gibt.

Wir werden sie vermissen.