Kind und Sexualität

1997
Beiträge zur Kindersexualität, Pädophilie, Angst und Mißbrauch
Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität e.V. (AHS)

Wozu diese Broschüre?

Sexualität von Kindern, eine seit Freud psychoanalytische Selbstverständlichkeit, wird heute nicht mehr in Frage gestellt; man geht von ihr aus, man bejaht sie. Man fühlt sich dennoch bemüßigt, vor einer Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen zunächst einmal und generell zu warnen, auch wenn man sie im Grunde bejaht. Eine Überschrift wie „Pädophilie ohne Opfer“ (betrifft: erziehung 4/73) ist heute kaum mehr vorstellbar. Aber: Es hat sich herausgestellt, daß eine Sexual-Erziehung, die im „Nein“-Sagen der Kinder gipfelt, verfehlt ist.

Wenn eine sexualwissenschaftliche Vereinigung wie die Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität e.V. (AHS) eine Broschüre zum Thema „Kind und Sexualität“ herausgibt, muß sie die gesellschaftliche Entwicklung berücksichtigen, darf sich aber weder von der Hysterie noch von der Wortwahl anderer anstecken lassen.

Fast zehn Jahre nach dem Erscheinen des Diskussionspapiers „Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen“ legt die AHS nun ein Heft vor, in dem sie Wissenschaftlern und Betroffenen – auch indirekt Betroffenen wie Eltern „gefährdeter“ Kinder – die Möglichkeit gibt, sich zu äußern und ihre Gedanken, Gefühle und Erkenntnisse einem breiten Publikum mitzuteilen und zur Diskussion zu stellen.

Wir möchten mit dieser Auswahl unterschiedlicher Texte einen Beitrag zur Entkrampfung der Debatte und zur Humanisierung der Sexualität in der Gesellschaft leisten.

Inhalt

  • Frits Bernard, Das öffentliche Bild des „Kinderschänders“
  • Michael Schetsche, Ethische Probleme der Beurteilung sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern
  • Marianne W. Bayer, Was ihr an Kindern findet …
  • Wolf Vogel, Die Verletzung der Intimsphäre – Über das Aushorchen von Kindern
  • Klaus Rauschert, Auf Täuschung berechnet: Das Strafgesetz
  • Anonym, Zum Pater ging ich lieber
  • Erinnerungen an unsere ersten Begegnungen
    Jürgen Mertinkat, Weißt du noch
  • Nelli – Zaghafte Annäherung an ein Mädchen
  • Daniel, Warten
  • Irma Kloos, Kopf und Bauch
    Peter Camus, Ein Kind
  • Anonym, „Stumme Schreie“ – Von innenministeriellen Mißbrauchs-Broschüren und polizeilichen Aufklärungs-Anzeigen
  • Wolf Vogel, Brauchen wir den sexuellen Mißbrauch?
  • Die Autoren
  • Empfohlene Literatur

Über was hier geschrieben wird

Pädophilie: (sexuelle) Zuneigung Erwachsener zu Kindern oder Jugendlichen beiderlei Geschlechts.

(Duden-Fremdwörterbuch, 5. Auflage 1990)

Pädophilie: die sexuelle Neigung zu Kindern und Jugendlichen gleich welchen Geschlechts.

(Brockhaus-Enzyklopädie, 19. Auflage 1991)

Sie (Männer wie Frauen) haben oder erstreben eine freundschaftliche Beziehung zu Kindern, welche zwar nicht notwendigerweise sexuelle Kontakte beinhaltet, solche aber zumindest nicht ausschließt. Sie sind außerordentlich empfänglich für die Faszination, die von Kindern ausgeht. Im allgemeinen besteht diese Anziehungskraft im Wesen des Kindes, das im Gegensatz zum Erwachsenen noch frei von ideologischen und moralischen Vorurteilen sein Denken und Handeln am Lustprinzip ausrichtet. Die erfrischende Unbekümmertheit des Kindes, die Tatsache, daß es viele in der Erwachsenenwelt überaus wichtige Äußerlichkeiten wie finanzielle Position, sozialen Rang oder körperliche Unzulänglichkeiten einfach unbeachtet läßt, seine Begeisterungsfähigkeit, seine Lebendigkeit, seine Phantasie und Spontaneität, die Mischung aus Abenteurertum und Anlehnungsbedürfnis, all dies weckt im Pädophilen den Wunsch, sich hiervon „anstecken“ zu lassen.
(Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität „Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen“ 1988)

Copyright: Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität e.V. Gießen 1997
Druck: B & B Druckservice Ludwigshafen